Akzessorische Brust (Achselbrust) – Zusätzliches Brustgewebe in der Achsel erklärt
Kurz erklärt
Die akzessorische Brust, auch Achselbrust, ektopes Brustgewebe oder Polymastie genannt, bezeichnet zusätzliches Brustgewebe außerhalb der eigentlichen Brust. Am häufigsten befindet es sich im Bereich der Achselhöhle.
Dieses Gewebe entsteht bereits während der Embryonalentwicklung und ist keine seltene Fehlbildung. Je nach Ausprägung kann es nur aus Fettgewebe bestehen, aber auch Brustdrüsengewebe oder sogar eine zusätzliche Brustwarze enthalten.
Viele Betroffene empfinden die Achselbrust als störend – insbesondere aus ästhetischen Gründen oder weil sie Schmerzen, Spannungsgefühle oder Bewegungseinschränkungen verursacht.
Was ist eine akzessorische Brust?
Während der Embryonalentwicklung entsteht beidseits eine sogenannte Milchleiste (Milchlinie), die von der Achsel bis zur Leistenregion verläuft.
Normalerweise bildet sich diese vollständig zurück. Bleiben einzelne Bereiche bestehen, kann sich dort zusätzliches Brustgewebe entwickeln.
Am häufigsten betrifft dies:
- die Achselhöhle
- den seitlichen Brustbereich
- seltener den Brustkorb
- sehr selten andere Abschnitte der Milchlinie
Wie häufig kommt eine Achselbrust vor?
Je nach Studie tritt akzessorisches Brustgewebe bei etwa 2 bis 6 % der Bevölkerung auf. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.
Oft bleibt die Veränderung lange unbemerkt und fällt erst in hormonellen Phasen wie der Pubertät, Schwangerschaft oder Stillzeit auf.
Woraus besteht eine Achselbrust?
Nicht jede Vorwölbung unter der Achsel ist gleich.
Eine Achselbrust kann bestehen aus:
- reinem Brustdrüsengewebe
- einer Kombination aus Brustdrüsen- und Fettgewebe
- zusätzlicher Brustwarze (Polythelie)
- zusätzlicher Brustdrüse mit Brustwarze (Polymastie)
Die genaue Zusammensetzung lässt sich meist durch Untersuchung und gegebenenfalls Ultraschall bestimmen.
Welche Beschwerden können auftreten?
Viele Betroffene haben keine Beschwerden.
Mögliche Symptome sind:
- sichtbare Vorwölbung in der Achsel
- Spannungsgefühl
- Schmerzen während der Menstruation
- Schwellung während Schwangerschaft oder Stillzeit
- Reibung an Kleidung
- Einschränkung bei Armbewegungen
- kosmetische Beeinträchtigung
Da das Gewebe hormonempfindlich ist, können sich die Beschwerden im Monatszyklus verändern.
Achselbrust oder Fettpolster?
Ein Fettpolster und eine Achselbrust sehen sich oft ähnlich.
Ein Fettpolster besteht ausschließlich aus Fettgewebe.
Eine akzessorische Brust enthält dagegen Brustdrüsengewebe und reagiert häufig auf hormonelle Veränderungen.
Eine sichere Unterscheidung ist durch die klinische Untersuchung und gegebenenfalls bildgebende Verfahren möglich.
Wie wird eine Achselbrust diagnostiziert?
Zur Abklärung gehören:
- körperliche Untersuchung
- Ultraschall
- Mammographie (je nach Alter und Befund)
- MRT in besonderen Fällen
Ziel ist es, die genaue Zusammensetzung des Gewebes festzustellen und andere Ursachen auszuschließen.
Kann auch eine Achselbrust erkranken?
Ja.
Da es sich um echtes Brustgewebe handelt, können grundsätzlich dieselben gut- oder bösartigen Veränderungen auftreten wie in der normalen Brust.
Deshalb sollten neu auftretende Knoten, Schmerzen oder andere auffällige Veränderungen ärztlich untersucht werden.
Wann ist eine Behandlung sinnvoll?
Eine operative Entfernung kommt unter anderem infrage bei:
- deutlicher ästhetischer Beeinträchtigung
- Schmerzen
- wiederkehrenden Schwellungen
- Bewegungseinschränkungen
- störendem Brustdrüsengewebe
- Unsicherheit hinsichtlich der Diagnose
Nicht jede Achselbrust muss behandelt werden.
Wie wird eine Achselbrust entfernt?
Die Behandlung richtet sich nach dem Gewebe.
Liposuktion
Bei überwiegend fettigem Gewebe kann eine Fettabsaugung ausreichend sein.
Operative Entfernung
Bei echtem Brustdrüsengewebe erfolgt meist eine chirurgische Entfernung über einen möglichst unauffälligen Schnitt in einer natürlichen Hautfalte der Achsel.
Kombination
Häufig wird eine Kombination aus Fettabsaugung und operativer Entfernung eingesetzt, um sowohl das Drüsengewebe als auch überschüssiges Fett optimal zu behandeln.
Bleiben Narben zurück?
Ja, jedoch wird der Schnitt meist so geplant, dass die spätere Narbe möglichst unauffällig in einer natürlichen Hautfalte der Achsel verläuft.
Die endgültige Narbenqualität hängt von der individuellen Wundheilung ab.
Kann die Achselbrust wiederkommen?
Entferntes Brustdrüsengewebe wächst normalerweise nicht nach.
Bleibt jedoch Restgewebe zurück, kann dieses weiterhin auf hormonelle Veränderungen reagieren.
Häufige Fragen
Ist eine Achselbrust gefährlich?
In den meisten Fällen handelt es sich um eine gutartige anatomische Variante. Auffällige Veränderungen sollten dennoch ärztlich abgeklärt werden.
Kann eine Achselbrust beim Sport stören?
Ja. Größeres Gewebe kann bei Armbewegungen oder durch Reibung Beschwerden verursachen.
Wird eine Achselbrust während der Schwangerschaft größer?
Ja. Da es sich häufig um hormonempfindliches Brustgewebe handelt, kann es während Schwangerschaft und Stillzeit anschwellen.
Kann nur Fett abgesaugt werden?
Wenn ausschließlich Fettgewebe vorliegt, kann eine Liposuktion ausreichend sein. Bei echtem Brustdrüsengewebe ist häufig eine operative Entfernung sinnvoller.
Ist eine Achselbrust dasselbe wie eine zusätzliche Brustwarze?
Nein. Eine zusätzliche Brustwarze wird als Polythelie bezeichnet. Eine Achselbrust enthält dagegen Brustdrüsengewebe und kann mit oder ohne zusätzliche Brustwarze auftreten.
Vor einer Behandlung sollte daher immer geklärt werden, ob Fettgewebe, Brustdrüsengewebe oder eine Kombination aus beiden vorliegt. Erst danach lässt sich entscheiden, ob eine Fettabsaugung, eine operative Entfernung oder eine Kombination beider Verfahren das beste Ergebnis verspricht.
Quellen
- Kajava Y. The Proportion of Supernumerary Nipples in the Finnish Population. Duodecim, 1915.
- American College of Radiology (ACR): Imaging of Accessory Breast Tissue.
- UCLA Health – Accessory Breast Tissue: Clinical Presentation and Imaging Features.
- StatPearls – Accessory Breast Tissue.
