Aseptische Operationstechnik – Warum sterile Arbeitsweisen in der Schönheitschirurgie entscheidend sind
Kurz erklärt
Die aseptische Operationstechnik umfasst alle Maßnahmen, die während einer Operation das Eindringen von Krankheitserregern in das Operationsgebiet verhindern sollen. Ziel ist es, das Risiko für Infektionen, Wundheilungsstörungen und implantatbezogene Komplikationen so weit wie möglich zu reduzieren.
In der plastischen und ästhetischen Chirurgie spielt die Asepsis eine besonders wichtige Rolle, da bereits geringe bakterielle Verunreinigungen das Operationsergebnis beeinflussen können – insbesondere bei Brustimplantaten oder anderen Implantaten.
Was bedeutet „aseptisch“?
Der Begriff Asepsis stammt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß „Keimfreiheit“ beziehungsweise das Verhindern einer Kontamination mit Mikroorganismen.
In der Medizin beschreibt die Asepsis sämtliche Maßnahmen, die verhindern sollen, dass:
- Bakterien
- Viren
- Pilze
- andere Mikroorganismen
in eine Operationswunde gelangen.
Eine absolute Keimfreiheit kann im klinischen Alltag nicht garantiert werden. Ziel ist deshalb eine möglichst konsequente Reduktion des Infektionsrisikos.
Warum ist Asepsis in der Schönheitschirurgie so wichtig?
Jede Operation erzeugt eine kontrollierte Wunde.
Gelangen Keime in dieses Operationsgebiet, können unter anderem entstehen:
- Wundinfektionen
- verzögerte Heilung
- Narbenprobleme
- Serome
- Implantatinfektionen
- Kapselkontrakturen
- notwendige Folgeoperationen
Besonders Implantate reagieren empfindlich auf bakterielle Besiedlungen.
Selbst geringe Mengen sogenannter Biofilme werden als möglicher Faktor bei bestimmten implantatbezogenen Komplikationen diskutiert.
Was ist ein Biofilm?
Ein Biofilm ist eine dünne Schicht aus Mikroorganismen, die sich auf einer Oberfläche anlagern kann.
Bei Brustimplantaten wird seit Jahren untersucht, ob chronische bakterielle Biofilme zur Entstehung einer Kapselkontraktur beitragen können.
Nicht jede Kapselkontraktur entsteht durch einen Biofilm. Die Forschung betrachtet ihn jedoch als einen möglichen Einflussfaktor.
Welche Maßnahmen gehören zur aseptischen Operationstechnik?
Vor und während einer Operation werden zahlreiche Maßnahmen kombiniert.
Dazu gehören:
- chirurgische Händedesinfektion
- sterile OP-Kleidung
- sterile Handschuhe
- sterile Instrumente
- Hautdesinfektion
- sterile Abdeckung des Operationsfeldes
- kontrollierte Luftführung im OP
- steriles Nahtmaterial
- steriles Implantatmanagement
- standardisierte Arbeitsabläufe
Erst das Zusammenspiel dieser Maßnahmen reduziert das Infektionsrisiko.
Die chirurgische Händedesinfektion
Vor jedem Eingriff desinfizieren Chirurgen und OP-Personal Hände und Unterarme nach festgelegten Standards.
Anschließend werden:
- sterile OP-Kleidung
- sterile Handschuhe
- Mundschutz
- Haube
angelegt.
Die Händedesinfektion zählt zu den wichtigsten Einzelmaßnahmen der Infektionsprävention.
Warum wird die Haut des Patienten desinfiziert?
Die menschliche Haut besitzt eine natürliche Bakterienflora.
Vor einer Operation wird das Operationsgebiet deshalb mit geeigneten antiseptischen Lösungen behandelt.
Dadurch wird die Anzahl der Keime deutlich reduziert.
Warum werden sterile Abdecktücher verwendet?
Nach der Hautdesinfektion wird das Operationsgebiet mit sterilen Tüchern abgedeckt.
Dadurch bleibt ausschließlich der eigentliche Operationsbereich frei zugänglich.
Alle umliegenden Hautbereiche werden abgeschirmt.
Warum wechseln Chirurgen manchmal die Handschuhe?
Gerade bei Implantatoperationen werden häufig vor dem Einsetzen des Implantats neue sterile Handschuhe angezogen.
Der Hintergrund:
Während einer Operation können Handschuhe trotz sorgfältiger Arbeitsweise mit Hautkeimen oder anderen Oberflächen in Kontakt kommen.
Ein Handschuhwechsel reduziert die Wahrscheinlichkeit einer Implantatkontamination.
Was bedeutet No-Touch-Technik?
Die No-Touch-Technik beschreibt Operationsmethoden, bei denen das Implantat möglichst wenig direkten Kontakt mit:
- Haut
- Handschuhen
- umliegendem Gewebe
hat.
Ein Beispiel ist die Verwendung spezieller Einführhilfen wie eines Implantat-Funnels.
Ziel ist eine möglichst sterile Implantatplatzierung.
Warum erhalten viele Patienten Antibiotika?
Bei zahlreichen implantatbezogenen Operationen wird vorbeugend ein Antibiotikum verabreicht.
Diese sogenannte Antibiotikaprophylaxe soll das Risiko bakterieller Infektionen reduzieren.
Sie ersetzt jedoch niemals eine sorgfältige sterile Operationstechnik.
Warum sind OP-Lüftungssysteme wichtig?
Operationssäle verfügen über spezielle Lüftungssysteme.
Diese filtern Partikel und Mikroorganismen aus der Raumluft.
Je nach Operationsbereich kommen unterschiedliche Reinraumkonzepte zum Einsatz.
Was passiert nach der Operation?
Auch nach dem Wundverschluss bleibt Hygiene entscheidend.
Dazu gehören unter anderem:
- sterile Verbände
- regelmäßige Wundkontrollen
- Händehygiene
- richtige Narbenpflege
- konsequente Nachsorge
Viele postoperative Infektionen entstehen nicht während der Operation selbst, sondern erst in der Heilungsphase.
Kann eine perfekte Asepsis jede Infektion verhindern?
Nein.
Auch bei größter Sorgfalt bleibt ein Restrisiko bestehen.
Einfluss haben unter anderem:
- Diabetes
- Rauchen
- Übergewicht
- Immunschwäche
- schlechte Durchblutung
- lange Operationsdauer
- individuelle Wundheilung
Die Asepsis reduziert Risiken erheblich, kann sie jedoch nicht vollständig ausschließen.
Häufige Fragen
Bedeutet aseptisch keimfrei?
Nicht vollständig. Ziel ist eine möglichst weitgehende Vermeidung einer Kontamination.
Warum werden Instrumente steril verpackt?
Damit sie bis zum Operationsbeginn frei von relevanten Keimen bleiben.
Warum darf ich Schmuck vor der Operation nicht tragen?
Schmuck kann Keime beherbergen und erschwert eine sterile Vorbereitung.
Warum werden Implantate erst unmittelbar vor dem Einsetzen geöffnet?
Damit ihre sterile Verpackung möglichst lange erhalten bleibt.
Reicht ein Antibiotikum allein aus?
Nein. Antibiotika ergänzen die aseptische Operationstechnik, ersetzen sie aber nicht.
Viele Patienten achten bei der Wahl ihres Chirurgen vor allem auf Vorher-Nachher-Bilder oder den Preis. Mindestens genauso wichtig sind jedoch die Qualitätsstandards im Operationssaal.
Dazu gehören standardisierte Hygienekonzepte, sterile Implantathandhabung, erfahrenes OP-Personal und eine strukturierte Nachsorge. Diese Maßnahmen sind für Patienten oft unsichtbar, tragen aber entscheidend zu einem sicheren Eingriff und einem guten Langzeitergebnis bei.
Quellen
- World Health Organization (WHO): Global Guidelines for the Prevention of Surgical Site Infection.
- Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Guideline for the Prevention of Surgical Site Infection.
- American Society of Plastic Surgeons (ASPS): Patient Safety Resources.
- Mangram AJ et al. Guideline for Prevention of Surgical Site Infection. Infection Control and Hospital Epidemiology.
- Deva AK et al. Biofilm and Breast Implant–Associated Infections. Plastic and Reconstructive Surgery.
