Amorbogen

Der Amorbogen ist der obere, geschwungene Rand der Oberlippe. Er bestimmt die Form der Lippe und, so zeigen Studien, auch die Wirkung des Mundes auf andere Menschen. Seinen Namen hat der Amorbogen von Amor, dem Gott der Liebe.

Der Amorbogen an der Oberlippe

Der Amorbogen leitet seinen Namen von Amor, dem römischen Gott der Liebe ab. Der Sage nach ist Amor der Sohn von Venus, der Göttin der Erotik und Schönheit, und von Mars, dem Gott des Krieges. Auf Bildern wird er Amor als halbwüchsiger Knabe dargestellt, der einen Bogen trägt. Wen sein Bogen in das Herz trifft, der soll sich der römischen Mythologie zu Folge verlieben.

Die Bezeichnung Amorbogen für den oberen Rand der Oberlippe hat zwei Gründe. Zum einen ähnelt der Schwung der oberen Lippenkante der Form eines Bogens. Außen hat der Bogen zwei symmetrische Flügel, in der Mitte eine weich geschwungene Einkerbung. Der Amorbogen der Lippe hat einen ebensolchen Verlauf. Die bogenförmige Einkerbung der Oberlippe verläuft entlang der Unterkante des Philtrums. Als Philtrum wird die senkrechte Rinne bezeichnet, die von der Nase zur Oberlippe verläuft. Zum anderen ist die Bedeutung der Lippen, vor allem bei Frauen, aber auch seit jeher mit Küssen, Erotik und Liebe verbunden. Somit war auch der Zusammenhang der Lippen mit Amor, dem Gott der Liebe, naheliegend. Vermutlich entstand so die Bezeichnung Amorbogen.

Studien zum Amorbogen der Lippe

Forscher der Universitätsklinik in Freiburg untersuchten 2015 die Wirkung von Lippen auf andere Menschen.1 Sie gingen dabei der Frage nach, welche Lippenform als besonders ansprechend empfunden wird und befragten dafür 176 Männer und Frauen. Das Ergebnis: Größe, Form und Farbe spielten alle drei eine Rolle. Einer der als besonders attraktiv beurteilten Faktoren war ein ausgeprägtes Philtrum, mit einem entsprechend stark geschwungenen Amorbogen, der der Oberlippe Herzform verleiht. Das galt für Frauen und für Männer, wobei bei Männerlippen schmalere Lippen bevorzugt wurden, als bei Frauen.

Studien zu Folge soll der Amorbogen bei Frauen auch auf die Sexualität hinweisen. Frauen mit stärker ausgeprägtem Amorbogen hatten in einer Vergleichsstudie eine größere Wahrscheinlichkeit, beim Sex vaginale Orgasmen zu erleben. Die Ursache sind vermutlich Prozesse bei der Ausbildung des neuronalen Netzes, die beide Faktoren – Form des Amorbogens und die Sexualität – beeinflussen, so die Autoren der Studie.

Quellen

  1. Penna V, et al. The attractive lip: A photomorphometric analysi J Plast Reconstr Aesthet Surg. 2015 Jul;68(7):920-9.
  2. Brody S, Costa RM. Vaginal orgasm is more prevalent among women with a prominent tubercle of the upper lip. J Sex Med. 2011 Oct;8(10):2793-9.
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