Anamnese

Die Anamnese steht als eine Art Bestandsaufnahme am Anfang jeder medizinischen Untersuchung oder Behandlung. Sie dient der Erfragung und Erfassung aller Informationen, die relevant für Diagnose, Therapie oder Pflege sein können.

Was bedeutet Anamnese?

Der Begriff Anamnese leitet sich vom Altgriechischen ana (auf) und mneme (Gedächtnis, Erinnerung) ab. Diese Wortherkunft bezieht sich darauf, dass ein Patient aus dem Gedächtnis heraus über seine Vorgeschichte berichtet. Heute versteht man unter einer Anamnese die professionelle und systematische Abklärung relevanter Informationen durch einen medizinischen Experten. Zur Anamnese können je nach Art des Befragenden (Hausarzt, Facharzt, Arzt am Klinikum, Psychotherapeut oder anderen) und ausgehend vom Grund für den Arztbesuch ganz verschiedene Fragen gehören.

Mögliche Bestandteile einer Anamnese:

  • Fragen zu Schmerzen, deren Häufigkeit, Lokalisation und erstem Auftreten
  • Fragen nach vorhergegangenen Untersuchungen und Behandlungen (gegebenenfalls mit Sichtung von Arztberichten, Röntgenbildern oder anderen Unterlagen)
  • Abklärung von weiteren Erkrankungen
  • Abfragen von möglichen Allergien
  • Frage nach vorhergegangenen Krankenhausaufenthalten oder Operationen
  • Auflistung der früher und derzeit eingenommenen Medikamente
  • Erkrankungen (vor allem vererbliche Krankheiten) enger Verwandter oder familiär gehäuft auftretende Erkrankungen
  • Pflegebedarf des Patienten
  • Unter Umständen auch Fragen zu Beruf, Sexualverhalten, Reiseverhalten und sozialem Umfeld, soweit dies medizinisch eine Rolle spielen könnte

Bedeutung der Anamnese für Diagnostik und Behandlung

Die Anamnese ist von großer Wichtigkeit in der Medizin. Sie liefert dem Arzt oder Therapeut oft bereits 60 bis 80 Prozent der zur Diagnosestellung nötigen Daten.1 Dadurch stellt sie die Basis für eine passende und individuell angepasste Therapie dar. Zudem ist die Anamnese und auch wichtiges Mittel zum Kennenlernen und zur Vertrauensbildung. Sie legt dadurch die Grundlage für ein gutes Verhältnis zwischen Arzt und Patient.

Eine vollständige und systematisch Anamnese und deren Berücksichtigung und Auswertung ist so wichtig, dass zahlreiche Forschergruppen sich immer wieder damit beschäftigen. Für verschiedene Symptome und Erkrankungen gibt es spezielle Fragebögen oder Empfehlungen für die Anamnese. Viele Fachärzte und Klinken nutzen spezielle Anamnesebögen. Auch die Entwicklung von Software für die Anamnese2 soll diesen wichtigen Bestandteil der Eingangsuntersuchung beim Arzt unterstützen.

Quellen

  1. Köllner V, et al. Anamnesegruppen als Einstieg in die Gesprächsführung und Arzt-Patient-Beziehung. MedWelt 2016; 67:9-13.
  2. Ervenich D. Software: Schwerpunkt Anamnese. Dtsch Arztebl 2014; 111(6): A-230 / B-197 / C-191
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