Kurz erklärt
Anatomische Brustimplantate sind geformte Brustimplantate, deren Volumen nicht gleichmäßig verteilt ist. Sie besitzen typischerweise im unteren Bereich mehr Fülle und laufen nach oben flacher aus. Aufgrund dieser Form werden sie häufig als tropfenförmige Brustimplantate oder Teardrop-Implantate bezeichnet.
Das Ziel ist, bestimmte natürliche Brustproportionen gezielt nachzubilden. Anatomische Implantate sind jedoch nicht automatisch natürlicher als runde Implantate. Studien zeigen, dass selbst plastische Chirurgen die Implantatform anhand postoperativer Ergebnisse teilweise nicht zuverlässig unterscheiden konnten.
Was sind anatomische Brustimplantate?
Im Gegensatz zu einem runden Implantat besitzen anatomische Implantate eine definierte Ober- und Unterseite.
Der obere Implantatpol ist flacher gestaltet. Das Volumen nimmt nach unten zu. Dadurch entsteht die charakteristische tropfenähnliche Form.
Die Form des Implantats soll sich an der natürlichen Brustanatomie orientieren:
- weniger Volumen im oberen Brustpol
- zunehmende Projektion zur Brustmitte
- mehr Volumen im unteren Brustbereich
- definierter Übergang zur Unterbrustfalte
Da das Implantat eine festgelegte Ausrichtung besitzt, muss es während der Operation präzise positioniert werden.
Anatomisch oder rund – wo liegt der Unterschied?
Ein rundes Brustimplantat ist rotationssymmetrisch. Dreht es sich um die eigene Achse, verändert sich seine äußere Form dadurch normalerweise nicht wesentlich. Bei einem anatomischen Implantat ist das anders.
Da die Volumenverteilung fest vorgegeben ist, kann eine Rotation die Brustform sichtbar verändern. Implantatrotation gilt deshalb als spezifisches Problem geformter Implantate. Der wichtigste Unterschied ist also nicht nur die äußere Form, sondern die definierte räumliche Orientierung des Implantats.
Sehen anatomische Implantate natürlicher aus?
Nicht automatisch. Die Aussage „Tropfenimplantate sehen natürlich aus und runde Implantate künstlich“ ist medizinisch zu pauschal. Eine systematische Übersichtsarbeit kam zu dem Ergebnis, dass anatomische Implantate bei primären ästhetischen Brustvergrößerungen insgesamt keinen eindeutigen ästhetischen Vorteil gegenüber runden Implantaten zeigten. Andere Untersuchungen zeigen wiederum, dass bei methodisch direkter Gegenüberstellung Unterschiede in der Brustform erkennbar sein können. Entscheidend bleiben Anatomie und ästhetisches Ziel der Patientin.
Das spätere Erscheinungsbild wird außerdem beeinflusst durch:
- vorhandenes Brustgewebe
- Hautqualität
- Implantatgröße
- Implantatprojektion
- Implantatlage
- Breite des Brustkorbs
- Position der Unterbrustfalte
- chirurgische Technik
Die Implantatform ist nur ein Faktor unter mehreren.
Für wen können anatomische Brustimplantate geeignet sein?
Anatomische Implantate können bei ausgewählten Patientinnen sinnvoll sein.
Mögliche Ausgangssituationen sind:
- sehr wenig eigenes Brustgewebe
- flacher oberer Brustpol
- Wunsch nach zurückhaltender Oberpolfülle
- ausgeprägte Brustasymmetrie
- bestimmte Brustfehlbildungen
- rekonstruktive Brustoperationen
- individuelle anatomische Besonderheiten
Die Auswahl zwischen rundem und anatomischem Implantat sollte sich an Anatomie, Wünschen und chirurgischer Vorgeschichte orientieren.
Was bedeutet Implantatprojektion?
Neben der Form spielt die Projektion eine wichtige Rolle. Sie beschreibt vereinfacht, wie weit das Implantat die Brust nach vorne aufbaut.
Anatomische Implantate sind häufig in unterschiedlichen Kombinationen aus:
- Breite
- Höhe
- Projektion
verfügbar. Dadurch kann der Chirurg die Implantatform genauer an den Brustkorb und die vorhandene Brust anpassen.
Zwei Implantate mit identischem Volumen können deshalb optisch sehr unterschiedlich wirken.
Können anatomische Implantate rotieren?
Ja. Die Rotation beziehungsweise Malrotation ist eine bekannte mögliche Komplikation anatomischer Implantate. Dreht sich das Implantat, kann sich die Brustform sichtbar verändern.
Mögliche Veränderungen sind:
- asymmetrische Brustform
- ungewöhnliche Fülle an einer Seite
- Abflachung des unteren Brustpols
- sichtbare Formveränderung
- unterschiedliche Brustkonturen
Die berichteten Rotationsraten unterscheiden sich je nach Studie, Implantat und Operationstechnik. Eine neuere große Fallserie berichtete eine klinisch festgestellte Rotation bei 1,8 Prozent der untersuchten anatomischen Implantate.
Warum spielt die Implantattasche eine so wichtige Rolle?
Bei anatomischen Implantaten muss die Implantattasche präzise zur Implantatform passen. Ist die Tasche zu groß, kann sich das Implantat leichter bewegen. Ist sie falsch positioniert, kann die geplante Brustform nicht entstehen.
Deshalb sind bei anatomischen Implantaten besonders wichtig:
- exakte präoperative Vermessung
- präzise Implantatauswahl
- kontrollierte Präparation der Implantattasche
- korrekte Positionierung
Die chirurgische Planung ist mindestens ebenso wichtig wie die Wahl des Implantatherstellers.
Haben anatomische Implantate immer eine texturierte Oberfläche?
Historisch wurden geformte Implantate häufig mit texturierten Oberflächen kombiniert, um die Stabilität ihrer Position zu unterstützen. Das Thema muss heute differenziert betrachtet werden. Bestimmte texturierte Implantatoberflächen stehen im Zusammenhang mit dem seltenen Breast Implant-Associated Anaplastic Large Cell Lymphoma – BIA-ALCL. Die FDA veranlasste 2019 insbesondere den weltweiten Rückruf bestimmter Allergan-BIOCELL-Produkte. Deshalb sollte bei der Implantatwahl nicht nur über Form und Volumen gesprochen werden. Auch Oberflächenstruktur, konkretes Implantatmodell und bekannte Sicherheitsdaten gehören in die Beratung.
Sind anatomische Implantate besser für sehr schlanke Frauen?
Nicht grundsätzlich. Bei sehr wenig eigenem Brustgewebe kann die gezielte Formgebung eines anatomischen Implantats in bestimmten Situationen von Vorteil sein. Aber auch runde Implantate können bei schlanken Patientinnen natürliche Ergebnisse erzielen.
Entscheidend sind unter anderem:
- Gewebedicke
- Implantatbreite
- Projektion
- Implantatlage
- gewünschte Oberpolfülle
Die Aussage „schlank bedeutet automatisch anatomisches Implantat“ ist zu einfach.
Was passiert bei einer Rotation?
Eine leichte Rotation muss nicht immer sofort sichtbar sein.
Verändert sich die Implantatposition jedoch deutlich, kann die Brust ihre geplante Form verlieren.
Bei wiederkehrender oder ausgeprägter Rotation kann eine operative Korrektur notwendig werden. Patienteninformationen der British Association of Plastic, Reconstructive and Aesthetic Surgeons beschreiben eine Reoperation als mögliche Konsequenz bei wiederholter Rotation.
Mögliche operative Maßnahmen sind:
- Repositionierung des Implantats
- Anpassung der Implantattasche
- Implantatwechsel
- Wechsel auf ein rundes Implantat
Die geeignete Behandlung hängt von der Ursache ab.
Welche Risiken bestehen?
Anatomische Implantate besitzen grundsätzlich viele der gleichen Risiken wie andere Brustimplantate.
Dazu gehören:
- Kapselkontraktur
- Implantatruptur
- Serom
- Infektion
- Implantatfehlposition
- Asymmetrie
- Sensibilitätsveränderungen
- Rippling
- erneute Operationen
Zusätzlich besteht das spezifische Risiko einer sichtbaren Formveränderung durch Rotation.
Brustimplantate gelten außerdem nicht als lebenslange Medizinprodukte. Mit zunehmender Implantationsdauer steigt die Wahrscheinlichkeit implantatbezogener Komplikationen und weiterer Operationen.
Häufige Fragen zu anatomischen Brustimplantaten
Sind anatomische Implantate Tropfenimplantate?
Ja. Die Begriffe anatomische Implantate, tropfenförmige Implantate und Teardrop-Implantate werden häufig für geformte Implantate mit stärkerem Volumen im unteren Bereich verwendet.
Sehen runde Implantate immer künstlicher aus?
Nein. Studien konnten keinen generellen ästhetischen Vorteil anatomischer Implantate nachweisen.
Können sich anatomische Implantate drehen?
Ja. Eine Rotation kann die Brustform sichtbar verändern.
Sind anatomische Implantate für jede Frau geeignet?
Nein. Die Auswahl sollte anhand der individuellen Brustanatomie und des gewünschten Ergebnisses erfolgen.
Kann man anatomische Implantate später gegen runde Implantate tauschen?
Grundsätzlich ja. Bei einem Implantatwechsel müssen Implantattasche, Gewebe und gewünschte Brustform neu beurteilt werden.
Ist das Volumen in cc entscheidend?
Nicht allein. Breite, Höhe und Projektion beeinflussen das Ergebnis ebenfalls erheblich.
Beautymax-Expertentipp
Die Frage „rund oder anatomisch?“ wird bei Brustvergrößerungen häufig zu früh gestellt.
Zuerst sollte geklärt werden, welche Brustform überhaupt erreicht werden soll und welche anatomischen Voraussetzungen vorhanden sind. Erst danach sollte das konkrete Implantat ausgewählt werden. Zwei Patientinnen mit demselben Wunsch nach einer „natürlichen Brust“ können aufgrund ihrer Brustbreite, Gewebedicke und Ausgangsform völlig unterschiedliche Implantate benötigen.
Wissenschaftliche Quellen
- Cheng F. et al.: Round versus Anatomical Implants in Primary Cosmetic Breast Augmentation: A Meta-Analysis and Systematic Review.
- Al-Ajam Y. et al.: A blinded study comparing round and anatomical form-stable breast implants.
- Hedén P., Montemurro P.: Anatomical and Round Breast Implants: How to Select and Indications for Use.
- Montemurro P. et al.: Evaluation of Different Breast Implant Shapes in the Same Patient.
- Montemurro P. et al.: Rotation of Anatomical Implants: A Single Surgeon’s Experience with 2300 Consecutive Cases.
- FDA – Risks and Complications of Breast Implants
- FDA – Recall bestimmter Allergan BIOCELL Implantate

