Acellular Dermal Matrix (ADM): Biologische Gewebematrix zur Stabilisierung von Brustimplantaten
Kurz erklärt
Eine Acellular Dermal Matrix (ADM) ist eine biologisch aufbereitete Gewebematrix, deren ursprüngliche Zellen entfernt wurden. Zurück bleibt ein stabiles Kollagen- und Elastingerüst, das vom Körper nach der Implantation schrittweise mit eigenen Zellen und Blutgefäßen besiedelt wird. In der plastischen Chirurgie dient ADM vor allem dazu, Brustimplantate zusätzlich zu stabilisieren, geschwächtes Gewebe zu verstärken oder komplexe Revisionseingriffe zu unterstützen.
Was ist eine Acellular Dermal Matrix?
Der Begriff Acellular Dermal Matrix(ADM) bedeutet übersetzt zellfreie Hautmatrix.
Während des Herstellungsprozesses werden sämtliche lebenden Zellen entfernt. Übrig bleibt ausschließlich das natürliche Gerüst des Bindegewebes (extrazelluläre Matrix), das überwiegend aus Kollagen und Elastin besteht.
Da keine lebenden Zellen mehr vorhanden sind, ist das Risiko einer immunologischen Abstoßungsreaktion deutlich geringer als bei herkömmlichen Transplantaten. Nach der Implantation wird die Matrix schrittweise vom körpereigenen Gewebe durchblutet und integriert.
Wann wird ADM eingesetzt?
Im Bereich der ästhetischen Brustchirurgie wird ADM überwiegend bei anspruchsvollen oder wiederholten Operationen verwendet.
Häufige Einsatzgebiete sind:
- Korrektur einer Kapselkontraktur
- Stabilisierung der Implantattasche
- Behandlung einer Implantatfehlposition
- Korrektur eines Bottoming Out
- Behandlung von Rippling
- Verstärkung sehr dünnen Weichteilgewebes
- komplexe Implantatwechsel
- ausgewählte Bruststraffungen mit Implantaten
Besonders bei Revisionseingriffen kann ADM dazu beitragen, langfristig eine stabilere Implantatposition zu erreichen.
Kann ADM auch bei einer ersten Brustvergrößerung eingesetzt werden?
Ja.
Obwohl ADM hauptsächlich bei Korrekturoperationen verwendet wird, kann sie in ausgewählten Fällen auch bei einer primären Brustvergrößerung sinnvoll sein.
Dies betrifft beispielsweise Patientinnen mit:
- sehr dünner Haut
- schwachem Bindegewebe
- erhöhtem Risiko für Bottoming Out
- erhöhtem Risiko für Rippling
- ausgeprägten Brustasymmetrien
Da ADM die Operationskosten erhöht und die OP technisch aufwendiger macht, wird sie nicht routinemäßig bei jeder Brustvergrößerung eingesetzt.
Vorteile einer Acellular Dermal Matrix
Je nach Ausgangssituation kann ADM folgende Vorteile bieten:
- zusätzliche Stabilisierung des Implantates
- bessere Unterstützung des unteren Brustpols
- Verringerung des Risikos einer erneuten Implantatverschiebung
- Unterstützung bei der Behandlung einer Kapselkontraktur
- Verbesserung der Weichteildeckung bei dünnem Gewebenatürlichere Übergänge bei sichtbaren Implantaträndern
Ob diese Vorteile tatsächlich zum Tragen kommen, hängt wesentlich von der individuellen Anatomie und der Erfahrung des Operateurs ab.
Gibt es auch Nachteile?
Ja.
ADM ist kein Standardimplantat und bringt auch Einschränkungen mit sich.
Dazu gehören:
- höhere Materialkosten
- längere Operationsdauer
- technisch anspruchsvollerer Eingriff
- mögliches zusätzliches Risiko für Serome oder Infektionen
- nicht in jeder Situation medizinisch notwendig
Die wissenschaftliche Datenlage spricht vor allem für den Einsatz bei Revisionseingriffen. Für den routinemäßigen Einsatz bei jeder kosmetischen Brustvergrößerung gibt es derzeit keine ausreichende Evidenz.
Ist ADM sicher?
Die bisher veröffentlichten Studien zeigen insgesamt gute Ergebnisse, insbesondere bei komplexen Brustoperationen und Revisionseingriffen.
Allerdings weist die aktuelle wissenschaftliche Literatur auch darauf hin, dass die Evidenz für ästhetische Brustvergrößerungen noch begrenzt ist. Die Entscheidung für oder gegen ADM sollte deshalb immer individuell getroffen werden.
Häufige Fragen
Ist ADM ein Implantat?
Nein. ADM ersetzt kein Brustimplantat. Sie dient ausschließlich als biologische Verstärkung des körpereigenen Gewebes.
Bleibt ADM dauerhaft im Körper?
Die Matrix wird mit der Zeit in das körpereigene Gewebe integriert und von körpereigenen Zellen sowie Blutgefäßen durchwachsen.
Kann ADM eine Kapselkontraktur verhindern?
Sie kann das Risiko in bestimmten Situationen reduzieren und wird häufig zur Behandlung oder Vorbeugung eines erneuten Auftretens eingesetzt. Einen vollständigen Schutz gibt es jedoch nicht.
Ist ADM bei jeder Brustvergrößerung notwendig?
Nein. Bei den meisten primären Brustvergrößerungen ist eine ADM nicht erforderlich.
Beautymax-Expertentipp
Eine Acellular Dermal Matrix sollte nicht als “besseres Material” verstanden werden, sondern als spezielles chirurgisches Hilfsmittel für ausgewählte Situationen. Besonders bei Revisionseingriffen, geschwächtem Gewebe oder wiederkehrenden Implantatfehlpositionen kann sie einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung leisten. Ob der Einsatz sinnvoll ist, entscheidet der plastische Chirurg immer anhand der individuellen Anatomie und des Operationsziels.
Quellen
- Systematic Review: Acellular Dermal Matrix in Breast Augmentation Surgery(2024).
- Übersichtsarbeit: Acellular Dermal Matrices: Use in Reconstructive and Aesthetic Breast Surgery.
- Aktuelle Einordnung der American Society of Plastic Surgeons (ASPS) zur Verwendung von ADM in der Brustchirurgie.

