Kapselfibrose

Bei einer Kapselfibrose bildet sich nach der Brustvergrößerung um das Implantat herum eine verhärtete Kapsel. Bei stärkerer Ausprägung kann sich die Kapsel zusammenziehen und zu Beschwerden und zur Verformung des Implantats führen. Man spricht dann auch von einer Kapselfibrose mit Kapselkontraktur. Zur Vermeidung und Behandlung gibt es verschiedene Maßnahmen, die im Folgenden erläutert werden.

Was ist eine Kapselfibrose bei einer Brustvergrößerung?

Werden bei einer Brustvergrößerung Implantate verwendet, bildet sich immer eine Kapsel aus Bindegewebe um das Brustimplantat herum. Das ist ein normaler Prozess, denn jeder Fremdkörper wird vom Körper abgekapselt. Diese Gewebekapsel ist im Normalfall dünn und weich. Im Gegensatz dazu bildet sich bei einer Kapselfibrose eine stärker ausgeprägte Kapsel, die zunehmend härter und unelastischer werden kann. Dadurch kann sie sich zusammenziehen, was als Kapselkontraktur bezeichnet wird.

Die Häufigkeit der Kapselfibrose nach einer Brust-OP schwankt je nach Operationsart und verwendeten Implantaten. Studien geben Häufigkeiten bis zu 20 Prozent an. Bei modernen Implantaten mit speziell texturierten Oberflächen liegt die Häufigkeit im Durchschnitt bei rund 10 Prozent.1

Die Ursachen der Kapselfibrose sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Zahlreiche Mediziner beschäftigen sich damit, warum bei einigen Menschen die natürliche, physiologische Kapselbildung krankhaft übersteigert ist und eine Kapselkontraktur auftritt. Vermutlich handelt es sich um einen fibrotischen Prozess, bei dem mehrere Faktoren zusammenspielen.

Symptome der Kapselfibrose und Kapselkontraktur

Bei einer beginnenden Kapselfibrose ist die Kapsel zunächst nur härter und dadurch tastbar. Kommt es zu einer weiteren Verhärtung, können Spannungsgefühle, dauerhafte Schmerzen oder Schmerzen bei Berührungen auftreten.2 Allerdings muss eine Kapselfibrose nicht zwangsläufig weiter fortschreiten. Es kommt vor, dass sie bei Schweregrad I oder II (siehe unten) bleibt und nie behandelt werden muss. Eine Verformung der Kapsel (Kapselkontraktur) kann zu Symptomen wie Asymmetrien der Brust, einer Verschiebung des Implantats und zu Faltenbildung (Rippling) führen.

Kapselfibrose vorbeugen

Eine Vorbeugung einer Kapselfibrose ist nicht vollständig möglich. Allerdings gibt es einige Faktoren, die Ärzte und Patientinnen berücksichtigen können:

  • Auswahl moderner Implantatoberflächen.2
  • Anpassung der Operationsmethode (beispielsweise Auswahl der Lage unter dem Brustmuskel oder Operation mit der Dual-Plane-Methode).
  • Nicht Rauchen. Das Rauchen in den Wochen vor und nach der Behandlung kann die Wundheilung verschlechtern und das Komplikationsrisiko erhöhen.3
  • Befolgen der Anweisung der Ärzte zur Nachsorge, beispielsweise Tragen eines Kompressions-BHs.
  • Die Größe der Implantate könnte eine Rolle spielen. Zu große Implantate üben mehr Zug auf das Gewebe aus.
  • Vorbeugende Implantatmassagen sollen das Risiko einer Kapselfibrose vermindern, was jedoch nicht klar belegt ist und von manchen Ärzten nicht empfohlen wird.

Behandlung der Kapselfibrose

Die Behandlung der Kapselfibrose richtet sich nach dem Schweregrad, der in vier Stufen eingeteilt werden kann. Weil diese auf einen im Jahre 1975 gezeigten Kongressbeitrag4 des amerikanischen Chirurgen Dr. Baker zurückgehen, werden sie auch Baker-Grade genannt.

Schweregrad der Kapselfibrose (Einstufung nach Baker)

  • Grad I: Leichte Verhärtung tastbar, jedoch noch kein Vorliegen einer Kapselfibrose.
  • Grad II: Leichte Kapselfibrose mit tastbarer Verhärtung, Spannungsgefühl und / oder leichten Schmerzen.
  • Grad III: Kapselfibrose mit beginnender Kapselkontratur. Symptome können eine Verformung der Brust, von außen sichtbare Veränderungen und stärkere Schmerzen sein.
  • Grad IV: Starke Kapselfibrose mit Kapselkontraktur. Verhärtung und Deformation der Brust. Schmerzen treten dauerhaft oder schon bei leichter Berührung der Brust auf.

Behandlung bei Kapselkontraktur

Grad I und II der Kapselfibrose müssen meistens nicht behandelt werden. Möglich sind Massagen oder der Einsatz bestimmter Medikamente, um ein Fortschreiten und eine Kapselkontraktur zu verhindern. Im Falle einer Kapselfibrose Grad III oder IV ist in den meisten Fällen eine operative Behandlung notwendig, um Schmerzen, Verformungen und Verhärtungen zu beseitigen. Mögliche Behandlungen sind

  • Entfernen der betroffenen Implantate und Kapselresektion (Entfernung der Kapsel). Anschließend kann ein neues Implantat eingesetzt oder die Brust ohne neue Implantate durch bestimmte Operationstechniken (innerer BH, Straffung, Implantation von Eigenfett) in Form gebracht werden.
  • Minimal-invasives Auftrennen der Kapsel (endoskopische Kapsulektomie)
  • Sprengung der Kapsel durch manuellen Druck. Diese ältere Methode wird aufgrund hoher Risiken heute jedoch nicht mehr empfohlen.

 

Quellen

  1. Headon H, et al. Capsular Contracture after Breast Augmentation: An Update for Clinical Practice. Arch Plast Surg. 2015 Sep;42(5):532-43.
  2. Ho Shin B, et al. Silicone breast implant modification review: overcoming capsular contracture. Biomater Res. 2018 Dec 20;22:37.
  3. Sorensen LT. Wound healing and infection in surgery: the pathophysiological impact of smoking, smoking cessation, and nicotine replacement therapy: a systematic review. Ann Surg. 2012 Jun;255(6):1069-79.
  4. BakerJL, Jr: Classification of spherical contractures. Presented at the Aesthetic Breast Symposium, Scottsdale, Arizona 1975.

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